Abstract der Dissertation

Kamber, Rainer (2013); Wissen als Gut. Ein Beitrag zur Grundlegung der sozialen Erkenntnistheorie. Bern, Peter Lang. Publiziert in der Reihe Publications Universitaires Européennes.

Wissensansprüche müssen begründbar sein um erhoben werden zu können. Das gilt in der Forschung ebenso wie im alltäglichen Umgang mit Wissen. Als Begründungen kommen unter anderem Bezugnahmen auf empirische Evidenz oder die logische Konsistenz mit bekanntem Wissen in Frage. Aber können begründbare Wissensansprüche auch sozial übertragen werden?
In der orthodoxen erkenntnistheoretischen Tradition ist der Begriff des Wissens mit dem der Wahrheit verknüpft und Wissen wird individualistisch konzipiert. Das heisst, dass es Wissen auf der Grundlage der sozialen Weitergabe zwischen epistemischen Subjekten nicht geben kann. Die traditionellen Quellen des Wissens sind die Wahrnehmung, die Erinnerung und die Schlussfähigkeit und nur Wissensansprüche auf diesen Grundlagen gelten überhaupt als evaluationsfähig. Dadurch macht sich die orthodoxe Tradition vulnerabel für Skeptizismus und für epistemische Paradoxien.
In der vorliegenden Publikation zeichnet der Autor die wesentlichen Linien der erkenntnistheoretischen Orthodoxie im Zusammenhang mit der Zeugenschaft nach und er diskutiert die gewichtigen Einwände gegen die entsprechenden Doktrinen. Auf der Grundlage einer neuartigen Gütertheorie des Wissens zeigt er, inwiefern nicht bloss Zeugenschaft, sondern auch die klassischen erkenntnistheoretischen Kategorien wie Rechtfertigung und Berechtigung sozialen Gehalt haben. Er bietet eine Analyse der intertheoretischen Beziehungen zwischen Erkenntnistheorien und Gütertheorien des Wissens und liefert die Grundelemente für eine genuin soziale Erkenntnistheorie, innerhalb der die Zeugenschaft eine natürlichen Quelle des Wissens ist. Auf dieser Grundlage wird der soziale Charakter der epistemischen Beziehungen zwischen Wissenschaft, Medien, Politik und Gesellschaft transparent und normativ einholbar.

Buchvorlage als Dissertation im Fach Philosophie der phil. – hist. Fakultät der Universität Basel angenommen am 2. November 2007, Bewertung insigni cum laude (5.5). Fachexperten Prof. Dr. Paul Burger und Prof. Dr. Sebastian Rödl.